Adieu, Fremder

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 50/01 vom 12.12.2001

JUBILÄUM. Das zweite große Geburtstagskind neben Nestroy ist heuer der Dramatiker und Romancier Ödön von Horváth, der vor hundert Jahren geboren wurde. 

Am frühen Abend des 1. Juni 1938 wurde Ödön von Horváth auf den Champs-Elysées in Paris von einem herabfallenden Ast erschlagen. Die ebenso absurde wie lapidare Todesart ist heute fast so berühmt wie die bekanntesten Werke des Autors; sogar in Josef Haders Erfolgsprogramm "Privat" spielt die Geschichte mit dem Ast eine nicht unwesentliche Rolle. Es ist aber nicht Horváths Tod, dessen dieser Tage gedacht wird, sondern seine Geburt, und die ist zum Glück wesentlich unspektakulärer verlaufen: Ödön kam am Nachmittag des 9. Dezember 1901 in einem Vorort von Fiume (dem heutigen Rijeka) als erster von zwei Söhnen des ungarischen Beamtenehepaares Edmund und Maria von Horváth auf die Welt.

  Der Vater macht als Handelsattaché Karriere, weshalb Ödön von frühester Kindheit an ein unstetes Leben führt. Er wächst in Belgrad,


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