STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 50/01 vom 12.12.2001

Der Überraschungserfolg von Ang Lees phänomenalem Schwertkämpferfilm "Crouching Tiger, Hidden Dragon" hat dem Martial-Arts-Kino zweifellos einen Popularitätsschub verpasst. Auf dieser Welle schwimmt nun auch Andrew Laus "Das Duell in der Verbotenen Stadt" in die Kinosäle: ein protziger, überproduzierter Genrehybride voll schöner Menschen, pittoresker Totaler und digital unterstützter Kampfszenen. Vor der Kulisse von Pekings Verbotener Stadt verfolgt die in China, Taiwan und Malaysien enorm erfolgreiche Produktion eine Vielzahl an losen Handlungsfäden rund um das "Duell des Jahrhunderts" zwischen dem "Schwebenden Himmelskämpfer" Yip (Megastar Andy Lau) und seinem asketischen Herausforderer Saimoon (Ekin Cheng). Der Film versucht Schwertkampf-Extravaganz, Agentenfilmparodie und zotige Farce gleichzeitig zu sein, wobei der flagrante Eklektizismus im gegenwärtigen Hongkonger Kino nicht die Ausnahme, sondern eher die (auch ökomomisch bedingte) Regel ist: Gilt es doch dem Schwund des treuen, heimischen Publikums mit international breiter verkaufbarer Ware zu begegnen.

  Im vorliegenden Fall hat da allerdings jemand (namentlich Produzent Wong Jing) kalkuliert, ohne das Talent - oder zumindest die Unverfrorenheit - eines Tsui Hark ("A Chinese Ghost Story", "Peking Opera Blues") zu haben: "Das Duell in der Verbotenen Stadt" kann auch in seinen Kampfszenen, nicht wirklich überzeugen, wenngleich mit dem Choreographen Ching Siu-Tung ein Veteran des Faches dirigiert. Das Resultat ist ein mäßiger A-Streifen, der sich vor allein über seinen Exotenbonus zum Besuch empfiehlt. Dazu gehört angesichts einer Konkurrenz wie dem amerikanisch-französischen Martial-Arts-Dreck "Kiss of the Dragon" allerdings auch nicht viel.


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