KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 50/01 vom 12.12.2001

Der ansonsten spartanisch-schlichte offspace ist zurzeit vollkommen verwandelt. Adrian Schiesser, ein in London lebender deutscher Künstler, macht dort gerade mit seinem "weichen Institut (iwd)" Station (bis 19.1.). Dieses Institut hat mit in Erbsengrün und Beige gehaltenen Amtsstuben nichts zu tun, hier schwelgt man in warmen Farben: Rote Wände und rosa Teppich kreieren einen Kunstraum zum Wohlfühlen. Mehrere Lichtboxen an den Wänden tragen Logo-ähnliche Symbole, und aus runden, wie Lampen von der Decke hängenden Lautsprechern hört man in Abständen Stimmen mit Echo, die Zahlen in fremden Sprachen verkünden. Man kann sich auf Plastikschalensitzen niederlassen, die zusammen mit den Lautsprecheransagen ein Flughafenambiente erzeugen, und die Kompendien studieren, die der Künstler aus Illustrierten zusammengestellt hat. Ansonsten gibt es in Schiessers Institut nicht viel zu tun: "Mehr hat man von hier nicht zu erwarten. Man ist seinen eigenen Gedanken überlassen: Es handelt sich sozusagen um einen Warteraum an sich - fast wie eine Kirche." Schiesser beschäftigt sich mit Ordnungssystemen ("Ich war schon als Kind von Zahlenreihen fasziniert"); damit, wie sie unser Leben vereinfachen, während sie es gleichzeitig normieren. Schiesser stimmt jedoch weniger in die künstlerisch schon ziemlich überstrapazierte Kritik an der Kontrollgesellschaft ein, als er aufzeigt, was schon Claude Levi-Strauss eindrucksvoll vorgeführt hat: Kultur bedeutet Ordnung, aber die Ränder sind fließend, und die Überdeterminierung aller Symbole ist die Regel. Während der Berliner Künstler Daniel Pflumm bekannte Logos verfremdet, schafft Schiesser Zeichen, die sich auf nichts beziehen: Der Betrachter wird in einem Feld der Unschärferelationen mit seinen Assoziationen allein gelassen.


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