Die neue Ordnung

Politik | ARMIN THURNHER | aus FALTER 51/01 vom 19.12.2001

RÜCKBLICK. Über inländische Politik im Jahr zwei nach der Wende, über Österreichs fortgesetzte Selbstisolation und die munter fortschreitende Zerstörung seiner Öffentlichkeit. 

Es ist gut, sage ich mir, einmal ein Jahr abzuschließen, ohne ein politisches Buch verfasst zu haben. Was für einen Sinn hat es, den deprimierenden Brei immer wieder aufzurühren, nur um festzustellen, dass er nicht weniger deprimierend geworden ist? Andererseits mache ich mir nichts vor. Das Kommentieren von politischen Zuständen sollte mit individueller Befindlichkeit nichts zu tun haben, Kritik soll - auch wenn sie hierzulande manchmal damit verwechselt wird - von versuchter Selbsttherapie unterschieden bleiben.

  Es geht nicht um Befindlichkeiten, es geht um Befunde. Österreich am Ende des ersten Jahres eines neuen Millenniums, wie sieht es aus? Die Epoche der Zwangsnormalität scheint überwunden, das Maulpflaster mit der Aufschrift "Schulterschluss" ist ab, man darf dem österreichischen politischen


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