LYRIK-REIHE: "Vorüber, ihr Schweine, vorüber!

ERICH KLEIN | Kultur | aus FALTER 51/01 vom 19.12.2001

Ein Gedichtband hat zu allen Zeiten und bei allen Völkern gleich wenig Leser: maximal 1365. Das besagt der nach seinem Erfinder so benannte Enzensbergerkoeffizient. Offenbar eine Verdoppelung der spärlichen Leserschaft erwartend, hat sich der Europa-Verlag für seine neue Lyrikreihe etwas einfallen lassen: Ein Starautor entdeckt einen Lyriker. Die Devise lautet: Dichtung nicht für Dichter, sondern Lyrik, die von Leuten gelesen werden, die alle lesen. So findet Robert Gernhardt bei Heinrich Heine Altbekanntes und Bewährtes noch immer neu: "Die Loreley", "Belsazar", "Die armen Weber", vor allem Frivoles und natürlich Kabinettstücke wie "Sie saßen und tranken am Teetisch und sprachen von Liebe viel / Die Herren waren ästhetisch, die Damen von sanftem Gefühl ...". Günter Kunert tut dasselbe mit Nikolaus Lenau. Klagen, Melancholie: "Poesie ist weggezogen, / Und weit in das Land hinaus; // Hinaus in das Land und weiter, / vielleicht gar über die See. // Vorüber, ihr Schweine, vorüber!

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