KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 51/01 vom 19.12.2001

Ich würde gerne ein Kino in einer Höhle oder einem stillgelegten Bergwerk einrichten und den Bauprozess filmen", schrieb der amerikanische Künstler Robert Smithson 1971 in "Eine Kino-Atopie". "Der Vorführraum wäre ein Verschlag aus rohen Brettern, die Leinwand eine ausgehauene, weiß bemalte Felswand, und die Sitze könnten Felsblöcke sein. Es wäre ein echtes ,Untergrund'-Kino." Für die brachiale Schönheit von Höhlenbauten unbekannter Bauherren interessierte sich auch Bernard Rudofsky, der mehrere Bücher über anonyme Architektur veröffentlichte. Mit zwei Basaltbrocken vor einem Bildschirm bezieht sich nun Smithson-Fan Florian Pumhösl in der Galerie Krobath Wimmer (bis 20.1.) auf die Idee eines Höhlenkinos. Dieses Setting wirkt jedoch so skulptural und unnahbar, dass sich kaum jemand zum Videoschauen auf die Steine setzen wird. Am Monitor sind Zweige zu sehen. Erst bei längerem Betrachten fallen in den abstrakt anmutenden Schwarz-Weiß-Bildern jene Stabheuschrecken auf, die dort perfekt getarnt im Geäst hängen und nur hie und da zucken. In einem anderen Bereich der Galerie wendet sich der 30-jährige Künstler einer Methode der Fotografie zu, die ohne Kamera auskommt und mit der in den Zwanzigerjahren vor allem Man Ray und Lászlo Moholy-Nagy experimentierten - dem Fotogramm. Pumhösl hat Licht durch Lochplatten direkt auf das Fotopapier geschickt, was in der Umkehrung des Positiv-Negativ-Verhältnisses unscharfe schwarze Kreise auf weißem Hintergrund ergibt.

  Wie schon bei seiner Ausstellung in der Secession bringt Pumhösl auch hier wieder moderne (Moholy-Nagy, Bauhaus-Ästhetik) und modernismuskritische (Smithson, Rudofsky) Stimmen zusammen, ohne einer Tendenz den Vorzug zu geben. Abermals findet man sich in ein strenges, hyperästhetisches und an Verweisen reiches (Bücherliste liegt auf!) Universum versetzt, das wohl nur ganz unerschrockene Formalisten einfach zu genießen wagen.


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