Nathan der Böse

WOLFGANG KRALICEK | Kultur | aus FALTER 51/01 vom 19.12.2001

THEATER. Ist Christopher Marlowes "Der Jude von Malta" ein antisemitisches Stück? Eine falsche Frage, zu der Peter Zadek im Burgtheater keine gute Antwort einfällt. 

Peter Zadek ist, wie jeder gute Regisseur, kein besonderer Menschenfreund. Er interessiert sich für Menschen, er schaut ihnen gerne zu - aber nicht, weil er sie so mag, sondern weil er es so spannend findet, wenn Menschen sich eine Blöße geben. Eine Charakterschwäche, die der Regisseur mit einem Großteil des Publikums teilt: Auch im Zuschauerraum sitzen lauter kleine Voyeure, die nur darauf warten, dass da oben auf der Bühne jemand bloßgestellt wird. Mit anderen Worten: Zadek ist einer von uns. Er ist genauso zynisch, genauso brutal und genauso schadenfroh wie wir; der Unterschied ist nur, dass Zadek dazu steht. Das macht ihn zwar nicht unbedingt sympathischer, ist aber wahrscheinlich das Geheimnis seines Erfolgs: Der Mann will gar nicht geliebt werden, er will nur seinen Spaß. Und natürlich die Spitzengage, die

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