Halleluja! Halleluja!

Stadtleben | WOLFGANG PATERNO | aus FALTER 51/01 vom 19.12.2001

KIRCHE. Seit dreißig Jahren ist er Gottes bester Anchorman auf Erden. Seit Jahrzehnten bringt der Vorarlberger Kaplan August Paterno auch das Kunststück fertig, höchst profan mit Engelszungen allüberall zu predigen. 

Die Worte des Herrn werden via Fax in die Welt gesandt, üblicherweise weit nach Mitternacht. Wenn seine Brüder und Schwestern um ihn herum schon längst ihren Schlaf der Gerechten schlafen, sitzt August Paterno unter einem kalt flimmernden Neonlicht, Wien 18, Anton-Frank-Gasse, und macht sich so seine Gedanken über Gott und die Welt. Paterno wippt in seinem Bürosessel vor und zurück, fasst sich gedankenverloren an den kahlen Oberkopf, streicht sich über den verwegen verwuschelten Haarkranz, keucht und ächzt, in der Brust schmerzen die kranken Bronchien. Kommt die Eingebung partout nicht daher, springt er auf und schusselt durchs Arbeitszimmer.

  Dann plumpst der Kaplan zurück in den Ledersitz, greift beherzt in die Tasten der monströs großen elektrischen Schreibmaschine.


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