Alice unter der Erde

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 02/02 vom 09.01.2002

FILM. David Lynchs "Mulholland Drive" ist die Trümmerhalde vieler möglicher Filme. Viel Spaß beim Wühlen. Die Welt David Lynchs ist vollständig unterkellert. Gezeigt wird sozusagen die andere Seite der Dinge. Es gibt lichtlose Räume, in denen mächtige Zwerge telepathisch dem Raunen der Welt lauschen; es gibt Spiegel, die sympathischen jungen Männern das Bild ihrer eigenen, psychotischen Fratze zeigen, und es gibt abgeschnittene Ohren, in die die Kamera purzelt wie Alice in den Kaninchenbau - um am anderen Ende in einer verkehrten Welt anzukommen. Das Spiel mit solchen Verdopplungen, Zerrbildern und Moebiusschleifen gehört spätestens seit "Blue Velvet" zum Standardrepertoire des Lynch-Diskurses, der selbst eine Welt darstellt, in der sich die Filme, ihre kritische Rezeption und ein mitunter auch ziemlich unkritisches Liebhabertum spiralenartig fortpflanzen. Man mag zu ihm stehen, wie man will: Es gibt nur wenige amerikanische Filmemacher, die zugleich so populär und hochgradig


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