AUFGEBLÄTTERT

Kultur | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 02/02 vom 09.01.2002

Es scheint so, als folge der Krieg zwischen bin Ladens Terroristen und der westlichen Allianz den selben psychologischen Mechanismen wie einst der Kampf zwischen der RAF und der Bundesrepublik - wenngleich in einem ganz anderen Maßstab. Diesen Eindruck erweckt der Umgang speziell des deutschen Feuilletons mit jener literarischen Rekonstruktion des langjährigen Werdegang eines linken Attentäters und zweier staatlicher Sonderfahnder, die Franz-Maria Sonner in seinem jüngsten Roman unternommen hat. Zu dem Zeitpunkt, zu dem "Die Bibliothek des Attentäters" einsetzt, also während der Schlachten um die Frankfurter Startbahn West, ist der Apparat der RAF bereits in gleichem Maße gelähmt wie der der staatlichen Aufklärer. Jetzt sind es linke Außenseiter wie Jakob, von Zivilpolizisten gedemütigte Idealisten, die Gewalt gegen alte Nazis für legitim halten und wiederum einen ehemaligen Ermittler zum Waffengebrauch treiben. Dessen Karriere erleidet nämlich durch die Selbstauflösung der


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