STANDPUNKT: Susi = Strolchi

Politik | aus FALTER 03/02 vom 16.01.2002

Österreichs Medien neigen dazu, Politikern am Beginn ihrer Amtszeit Eigenschaften zuzusprechen, die während der politischen Laufbahn kleben bleiben. Viktor Klima etwa war jahrelang ein "Macher", einer, der zupackt. Irgendwann erkannten auch die unbelehrbarsten Journalisten, dass sie von Spin-Doctoren eingelullt worden waren. Ähnliches geschah mit FPÖ-Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer. Noch immer wird die Frau als die "moderate Hälfte" der FPÖ präsentiert. In exklusiven Hintergrundberichten der Magazine werden ungenannt bleiben wollende Funktionäre zitiert, die uns weismachen, wie sich Susi schon wieder über den Kärntner Strolchi ärgern muss. Der ehemalige SPÖ-Innenminister Karl Schlögl nennt Riess-Passer gar eine "ehrenwerte Person". Wieso eigentlich? Bislang hat Riess-Passer noch jede Haider-Attacke gegen Institutionen des Rechtsstaates mitgetragen. In der Spitzelaffäre forderte sie die Justiz auf, endlich das Verfahren einzustellen. Bei Haiders antisemitischen Ausfällen in der Kurhalle Oberlaa ("Wienerherz oder Ostküste") klopfte sie sich auf die Schenkel. Nun wettert sie gegen Verfassungsrichter, die sich "über die Gesetze stellen" und im Gegensatz zu Haider natürlich irren. Es wird Zeit, die Vizekanzlerin wieder als das zu sehen, was sie am Beginn ihrer Karriere war: die Pressesprecherin Haiders. F. K.


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