STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 03/02 vom 16.01.2002

Hier zu sein, bedeutet, das Elend der Menschen aus Iowa und Northridge kennen zu lernen", schrieb vor ein paar Jahren der amerikanische Filmkritiker David Thomson über das heruntergekommene Spielerparadies Las Vegas: "Man sieht weder Gangster noch ihre lasziven Geliebten. Hier herrscht nur der unablässige Stoffwechsel des Geschäfts." Und nicht umsonst bemühen Vegas-Filme, sofern es sich um Hollywoodstreifen handelt, ständig den Glamour der Vergangenheit.

  "Ocean's Eleven" hat mit dem überdimensionierten Sinatra-Home-Movie von 1960 weit mehr gemeinsam als nur den Titel - denselben bescheuerten Plot (elf Kumpels rauben mehrere Casinos gleichzeitig aus), das obligate Quäntchen Misogynie (Opfer diesmal: Julia Roberts), dasselbe Gelangweilte-boys-just-wanna-have-action-Getue der versammelten Stars (George Clooney, Brad Pitt, Matt Damon et al.). Für die routiniert hemdsärmelige Regie sorgt Steven Soderbergh, der sich offenbar in immer kürzerem Abstand bemüßigt fühlt, seine Kreditwürdigkeit in Hollywood unter Beweis zu stellen. Keine schlechte Entschuldigung, eh wahr; allerdings auch kein guter Grund, um ins Kino zu gehen.

  Apropos Home-Movies. Das Schikaneder lädt am Samstag zu einem "Sibirischen Abend" anlässlich der Premiere von "Mischa", eines "Dokumentarmärchens" von Doris Kittler; die junge Filmemacherin lässt die Titelheldin, ein kleines Mädchen, seine Geschichte erzählen - und nebenbei auch die seiner Eltern, seiner Heimatstadt Tomsk und der eines Puppenmachers. Am kommenden Donnerstag schließlich lädt die Medienwerkstatt Wien zu "5 x 10": Fünf Zeitgenossen (Edek Bartz, Karin Berger, Eva Brunner-Szabo, Claus Philipp, Stella Rollig) zeigen und kommentieren jeweils zehn Minuten ihres Lieblingsfilms.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige