Stadtrand: Gemüse-Gewitter

Stadtleben | aus FALTER 03/02 vom 16.01.2002

Vor ein paar Wochen besuchte ich in irgendeinem kalifornischen Kaff einen gerade ganz neu eröffneten Megasupermarkt. Die Einkaufswagerl waren einsatzlos benutzbar, in der Deli-Abteilung gab es "Coffee to go" und bäckereiwarme Muffins (als Frühstücks-Erstversorgung während des Shoppings). Die Abteilung mit den Organic-Joghurts war ausführlich und beim Obst legten betont gut aufgelegte Kalifornier Äpfel, Pflaumen und Pfirsiche zu kunstvollen Pyramiden. Das Gleiche galt für die Gemüseabteilung: Noch nie zuvor habe ich in einem Supermarkt derart frisches und so appetitlich angerichtetes Gemüse gesehen. Saftig grüne Salatköpfe, Karotten, der Größe nach angeordnet, sogar die 30 verschiedenen Kartoffelsorten wurden in eleganten Tonschüsseln präsentiert. Von Zeit zu Zeit brach ein künstliches Gewitter über Obst und Gemüse herein. Donnergrollen war zu hören, und jedes einzelne Früchtchen wurde sanft beregnet - natürlich ohne dass dabei der Teppichboden nass wurde. Das Donnern war gleichzeitig Warnung, einen Moment lang nicht zuzugreifen. Ich konnte mit Kreditkarte bezahlen, jemand half mir beim Einpacken meiner Einkäufe und wünschte mir noch einen schönen Tag. Echt wahr! Kein Traum. Und wieso, bitte, gibt es jetzt so was nicht bei uns in Wien? Wieso ist Einkaufen hierzustadt meist ein Albtraum? C. W.


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