SARGFABRIK: "Pietät hat Priorität"

Stadtleben | WOLFGANG PATERNO | aus FALTER 03/02 vom 16.01.2002

Das pralle Leben ist nur einmal zu finden: Aus einem Metallspind lächelt lüstern eine barbusige Frau von einem Plakat herunter, Marke "Playmate des Monats". Auf eine Wand hat noch jemand ein deftiges "Arsch" hingekritzelt. Ansonsten ist man in der Sargfabrik, seit 1966 an der Breitenfurter Straße in Wien-Liesing lokalisiert, nur mit dem Jenseits beschäftigt: Gravitätisch, sogar bei all dem Hämmern, Fräsen und Klopfen - die Sargfabrik gleicht einer riesengroßen Tischlerei - noch flüsternd, schreitet Emil Brenner, 54 und seit einigen Jahren Betriebsleiter des stadteigenen Sargerzeugungsbetriebes, durch die langen Gänge, in denen, so scheint es, keine sich Befehle zubellende Hackler am Werk sind, sondern eilfertige Ministranten mit schwieligen Händen, Bleistift und Meterstab in der Brusttasche. "Pietät hat Priorität", sagt Brenner lehrbuchgemäß. Ob es Brenner bei längerer Betrachtung des Sargmodells "Erlkönig", des Buchen-Intarsiensargs "Alt-Wien" oder der eher simplen Holzkiste

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