STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 04/02 vom 23.01.2002

Tom Cruise ist David Aames und David Aames ein millionenschwerer Playboy aus New York, der von seinem alten Herrn ein Hochglanz-Magazin-Imperium vererbt und von seiner Umwelt den Spitznamen Citizen Dildo verpasst bekommen hat. So weit, so Yuppie. Eines Morgens setzt er sich in seinen Ferrari, fährt den Times Square hinunter und scheint der letzte Mensch in der ganzen Stadt zu sein: nur ein Albtraum, natürlich, aus dem Aames in Wahrheit aber nie mehr richtig erwacht.

  Der Film zum Albtraum heißt "Vanilla Sky", ist ein Remake des spanischen Thrillers "Abre los ojos" (1997) und ansonsten eine Art ernsthafter Remix aus "Groundhog Day", "Ghost" und "The Sixth Sense". Cameron Crowe, der Regisseur, hat mit Tom Cruise zuvor schon die Komödie "Jerry Macguire" gedreht; der neue Film war offensichtlich konzipiert, um mit dem Image des Stars als farbloser nice guy zu brechen. Tatsächlich mutet "Vanilla Sky" eingefleischten Cruise-Fans allerhand zu - was freilich auch schon das Beste ist, das sich von ihm behaupten lässt. Der fesche Tom nämlich wird, frisch verliebt (in Penélope Cruz), von einer seiner abgelegten Blondinen (Cameron Diaz) in einen Autounfall verwickelt und dabei recht verunstaltet. Unter dem Einfluss von Psychopharmaka und einer ominösen Firma, die Mensch und Tier einfriert, um ihnen ein "Zweitleben" zu verschaffen, beginnen sich sämtliche Grenzen der Realität nach und nach aufzulösen.

  Wie das passiert, ist für einen Mainstreamfilm nicht ohne (nicht ohne sind allerdings auch die schauspielerischen Beschränkungen von Cruise, Cruz und Diaz, die streng genommen alle drei nur so gut sind, wie sie hübsch sind). Ja, wäre die Geschichte vom "Mann, der zweimal lebte" ("Seconds", 1966) nicht schon einmal erzählt worden, und käme nicht ausgerechnet diese Woche auch noch sein peinlicher Wiedergänger ("Jedermanns Fest") in die Kinos - "Vanilla Sky" hätte glatt Spaß machen und als interessanter Film durchgehen können.


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