Die Liebe zu den Orangen

Kultur | MAYA McKECHNEAY | aus FALTER 04/02 vom 23.01.2002

FILM. In seinem Eisenbahner-Film "The Navigators" findet Ken Loach Farben für farblose Begriffe wie "Sozialabbau" oder "Privatisierungswelle". 

Eine Handvoll Männer in oranger Schutzkleidung arbeitet auf dem Bahndamm. Es nieselt. Als das Signalhorn den nahenden Zug ankündigt, verlassen sie langsam den Schotter. Nur einer hat ein eisernes Werkstück vergessen und zerrt daran. Die Zeit ist zu knapp, ein Kollege stößt den Arbeiter gerade noch rechtzeitig zur Seite. Dann kann wieder weitergemacht werden.

  Arbeitsalltag, Routineabläufe, einzelne, tausendfach ausgeführte Handgriffe - im Kino eine Seltenheit. Und wenn sie gezeigt werden, dann muss die Normalität schon mindestens in den Störfall münden. Die Eröffnungssequenz von Ken Loachs Eisenbahner-Drama "The Navigators" spielt mit dieser Erwartungshaltung und enttäuscht sie - vorerst zumindest, denn der Störfall wird später, im Besprechungszimmer, stattfinden. Bis dahin zeigt uns Loach die öligen Arbeitshosen, feuchten Wollmützen


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige