AUFGEBLÄTTERT

Kultur | TOBIAS HEYL | aus FALTER 04/02 vom 23.01.2002

Die autobiografischen Erzählungen ("Die Absonderung", "Die Aussetzung") von Georges-Arthur Goldschmidt zählen zu den bedeutendsten literarischen Erinnerungen an die Verfolgung der Juden durch die Deutschen. Auf Deutsch, also in der Sprache der Diktatur verfasst und zudem in der dritten Person erzählt, hielten sie notdürftig Distanz zu den unerträglichen Erinnerungen an die Trennung von den Eltern und das Kinderheim in Frankreich, wohin der Neunjährige und sein Bruder durch glückliche Umstände 1938 flüchten konnten. "Über die Flüsse", ausdrücklich als Autobiografie bezeichnet, beginnt nun mit den Vorfahren, protestantisch getauften Juden in der Gegend um Hamburg, und reicht, gegen Ende sehr gerafft, bis in die Pariser Gegenwart. Anscheinend ist es Goldschmidt erst jetzt möglich, in der ersten Person zu erzählen, bezeichnenderweise auf Französisch. Die Übersetzung ins Deutsche besorgte er selbst, aber wie sehr ihm, dem feinste Nuancen im Klang und in der Bedeutung der Worte


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