StadtMensch

Stadtleben | aus FALTER 04/02 vom 23.01.2002

Zahlreich sind die Widersprüche, die Robertina Einöder, 38, in sich vereint: Da ist also die zierliche Frau, die, wenn ihr eine Ungerechtigkeit widerfährt, kämpfen kann "wie ein Tiger". Da ist auch die von Geburt an sehbehinderte Robertina, die an ihrem 31. Geburtstag gänzlich erblindete, und die, so scheint es, bei sehr vielen Dingen den Durchblick hat. Humor sowieso. Und, nicht zuletzt, ist da auch die Tatsache, dass Einöder, unter allerlei Schikanen und Verhinderungen, als erste Blinde noch dieses Jahr ihr Betriebswirtschaftsstudium abschließen wird. "Blind ist nicht blöd", sagt sie. Blöd war zum Beispiel Folgendes: Eine Kommission musste gezählte sieben Mal bei ihr auftauchen, um die Notwendigkeit eines eigenen Briefkastens festzustellen. Blöd war auch jener Security-Typ im Steffl, der Einöder mitsamt Blindenhund Simba rauswerfen wollte. Und saublöd sind jene, die ihr in der Straßenbahn zuraunen: "Der Hitler hat z'wenig vergast." "Narrenköpfe", sagt dann Einöder, "des sind ja auch nur Menschen." Wieder so ein Widerspruch. Wo. P.


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