STANDPUNKT: Die Schande

Politik | aus FALTER 05/02 vom 30.01.2002

Man würde es nicht für möglich halten. Doch die Republik Österreich hat der Familie von Marcus Omofuma nach drei Jahren noch immer keinen Euro an Entschädigung oder Unterhalt überwiesen. Im Gegenteil: Die Verfahren wurden hinausgezögert. Die Verwandten Omofumas, so berichtet deren Anwalt Georg Zanger, mussten sich sogar einem DNA-Test unterziehen und Fingerprints abgeben. Könnten ja Schwindler sein, diese Neger. Es ist Georg Zanger und seinem Engagement zu danken, dass der Fall Omofuma nicht einfach wegadministriert wird. Zanger hatte jene Gutachten infrage gestellt, die Omofuma "nur" einen Herztot attestierten. Tatsächlich kam nun auch ein anderer Gutachter zu dem Schluss, dass Omofuma wegen der Klebebänder erstickt sei. Nun kommt es Anfang März zum Strafprozess. Zanger hat auch vor dem Unabhängigen Verwaltungssenat viel erreicht: Erstmals wurde festgehalten, dass auch ein zu Tode Gekommener in seinen Menschenrechten verletzt werden kann. Dafür musste Zanger erst vor den Verfassungsgerichtshof ziehen. Der UVS hatte nämlich gemeint, dass die Tötung eines Menschen durch staatliche Organe im Verfahren nicht thematisiert werden darf, und hat die Klage von Omofumas Tochter zurückgewiesen. Die beschuldigten Polizisten versehen noch immer ihren Dienst. Der Polizeipräsident schweigt. Der Fall ist eine menschenrechtliche Schande. F. K.


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