Heinrich Gross' Spießgesellen

Politik | MICHAEL HUBENSTORF | aus FALTER 05/02 vom 30.01.2002

NS-MEDIZIN. Das neue Buch des Frankfurter Publizisten Ernst Klee gibt einen erschütternden Einblick in die zynische Welt der Medizin: wie deutsche und österreichische Ärzte vor und nach 1945 Karriere machten. 

Nirgendwo würden die medizinischen Verbrechen des Nationalsozialismus so verdrängt wie in Österreich. Das behauptete der Schriftsteller Robert Menasse vergangenen Juni, als ein Buch über den NS-Arzt Heinrich Gross vorgestellt wurde. Wenn Ernst Klee nun sein neuestes Buch im Wiener Rathaus präsentiert, dann wird auch diese verquere österreichische Hoffnung - nämlich über den Umweg brauner Vergangenheit etwas ganz Besonderes zu verkörpern - geplatzt sein.

  Denn Österreich stellte im Nazireich nämlich allenfalls eine Provinz mit einigen Sonderentwicklungen dar, die sich aus seiner abweichenden Geschichte ergaben. Das Vergessen nach 1945 funktionierte nämlich auch beim großen Nachbarn und der DDR. Allenfalls das Verschwinden der historischen Amnesie dauerte in Österreich


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