SPIELPLAN

Kultur | PETRA RATHMANNER | aus FALTER 05/02 vom 30.01.2002

Auch wenn es wehtut: Stücke mit einer richtig gut gemeinten Botschaft führen nun mal nicht immer zu einem richtig guten Theaterabend. Das Blöde an der guten Absicht ist nämlich, dass sie sich viel zu leicht durchschauen lässt. Wenn dann alles eintrifft, womit zu rechnen war, fühlt man sich entweder leicht unterhalten oder schwer gelangweilt.

  Bei "Gharibe Indersauna" trifft eher Letzteres zu. "Gharibe" ist persisch für "fremd", und im Schauspielhaus wurde hyperrealistisch - bis zum Zischen beim Aufguss - eine Sauna nachgebaut. Die beiden Schauspieler sind in Badetücher und -mäntel eingewickelt und bemühen sich, so zu spielen, als würden sie wirklich schwitzen. Gesprächsthema ist ihr verhunztes Leben. Massud Rahnama, persischer Schauspieler und Verfasser des Stücks, erzählt, wie es ihm als persischem Schauspieler in Wien ergeht. "Ich möchte nur einmal wieder auf die Bühne gehen und dann zeig ich, wer ich bin!" Gerade das löst er nur in den seltensten Momenten ein. Über weite Strecken tappt er in Klischeefallen vom Ausländer mit Verständnisproblemen, und Beatrice Frey mimt entweder die verständnislose oder die ausländerfeindliche Wienerin. So verkehrt sich eine spannende Grundidee zusehends in schlechtes Kabarett.

  Da ist "Das Kistenmädchen" auf der Bühne der Stadtinitiative Wien allemal unterhaltsamer. Grischka Voss, deren Bernhard-Ensemble im Vorjahr mit dem Nestroy für die beste Off-Theater-Produktion ausgezeichnet wurde, hat das Stück geschrieben und spielt die Hauptrolle mit herzerfrischendem Elan. Der Abend ist als eine Art Selbsterfahrungstrip angelegt. Das Kistenmädchen spielt dem Publikum ("Sie sind meine letzte Hoffnung") Szenen vor, in denen erklärt wird, warum sie sich an ihrem 13. Geburtstag eine Kiste über den Kopf gestülpt hat und sie bis heute nicht herunternehmen konnte. Witzig sind jene Szenen, die nah bei der schrulligen Figur bleiben. Öd wird es, wenn die Krise zwischenmenschlicher Kommunikation überdeutlich in Szene gesetzt wird.


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