AUFGEBLÄTTERT

Kultur | KLAUS TASCHWER | aus FALTER 05/02 vom 30.01.2002

Sie kennen John Forbes Nash Jr. nicht? Jedenfalls sollten Sie dringend das einzigartige Interview lesen, das der Mathematiker den beiden Journalisten André Behr und Lars Reichardt gab. Warum? Anfang März wird "A Beautiful Mind" in unseren Kinos anlaufen, und der Inhalt dieses Oscar-Anwärters beruht auf dem wahren Leben des schizophrenen Nobelpreisträgers Mr. Nash. (Seiner Biografin Sylvia Nasar, auf deren Buch der Film basiert, hat er übrigens kein Gespräch gewährt.) Neben Nash sind in "Lauter, bitte" 14 weitere außergewöhnliche Interviews mit außergewöhnlichen Männern nachzulesen: zum Beispiel mit Edward Teller, dem Vater der Wasserstoffbombe, mit James D. Watson, dem Entdecker der Doppelhelix, oder mit Ex-Schachweltmeister Anatoli Karpow, der ausschließlich von seiner größten Leidenschaft erzählt - dem Briefmarkensammeln.

  Die große Passion von Oliver Sacks wiederum ist, was bis vor kurzem auch nur wenige wussten, die Chemie. Weltbekannt wurde der Psychiater mit seinen unkonventionellen Fallstudien über Menschen, die von der psychischen Norm abweichen ("Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte"). In "Onkel Wolfram" berichtet er nun von seiner Kindheit in einer jüdischen Ärztefamilie, von seiner toughen Mutter, die ihn mit 14 ein totes Mädchen sezieren lässt, und - kurz - von seinem verrückten Bruder. Aus der seltsamen Umgebung flüchtet sich der Heranwachsende in die Wunderwelt der Chemie. Mehr als fünfzig Jahre später erinnert sich Sacks daran und macht auf wundersame Weise nachvollziehbar, was er an all diesen Mineralen, Elixieren und Metallen so faszinierend findet.

André Behr und Lars Reichardt: "Lauter, bitte!". Heldengeflüster. Düsseldorf 2001 (My favourite book). 183 S., E 19,60

Oliver Sacks: Onkel Wolfram. Aus dem Englischen von Hainer Kober. Reinbek 2002 (Rowohlt). 384 S., E 25,60


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