STREIFENWEISE

Kultur | M. LOEBENSTEIN, M. OMASTA | aus FALTER 06/02 vom 06.02.2002

Sich dem japanischen Anime (Animationsfilm) zu widmen, hat beim Polyfilm-Verleih mittlerweile schon Tradition. "Jin-Roh" (Regie: Hiroyuki Okiura) ist nach "Akira" oder "Roujin Z" ein weiterer Beleg für die Reife dieses oft als "Trickfilm" abgetanen Genres: eine auch erzählerisch komplizierte Parabel über politischen Radikalismus und individuelle Verantwortung, über gepanzerte Körper und die verwundbaren Seelen darunter. Der Protagonist Fuse ist Kämpfer in einer Spezialeinheit der Tokioter Polizei - allerdings in einer Art "Parallelwelt", in der einst die Achsenmächte den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben und das Wirtschaftswunder danach ausgeblieben ist. Das Selbstmordattentat einer jungen Frau bringt den einsamen "Wolf" ins Grübeln: Gibt es eine Seele unter der Uniform? Und wie muss eine Welt beschaffen sein, damit ein Mensch sein Leben einer Idee opfert? Der Tonfall bleibt kühl, melancholisch - kaum verwunderlich, steckt hinter dem Drehbuch doch der Autor Mamoru Oshii, dessen "Ghost in the Shell" nicht weniger philosophisch geraten war.

  Ähnlich bizarr geht es bei der british short film night (am 8.2., 20 Uhr, in der Secession) zu, und auch diese hat bereits Tradition: Das Motto lautet diesmal "Hell", und wie immer stehen Arbeiten aus dem Bereich des Experimentellen, Narrativen und des Animationsfilms am Programm. Darunter etwa "Intolerance", ein elfminütiger Film von Phil Mulloy (2000), der sämtliche genannten Genres und Qualitäten auf sich vereint: Bösartige "humanoide" Strichmanderln werden mit den so genannten Zogs konfrontiert, die im Grunde genauso sind wie sie; bloß schauen ihre Köpfe halt aus wie Geschlechtsorgane (und umgekehrt) - was vielleicht nicht ganz so philosophisch, dafür aber ziemlich witzig ist.


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