Für immer Fraulein

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 06/02 vom 06.02.2002

HILDEGARD KNEF (1925-2002). Vergangene Woche starb die große Sängerin und Unangepasste des deutschen Films. 

Sie kam aus den Trümmern. Eine schmale, kantige Erscheinung, mit schulterlangem blonden Haar, großen Augen und einem noch größeren Mund, der gerade darüber zu sprechen drohte, wovon sich Deutschland schon gleich nach dem Krieg zu schweigen vorgenommen hatte: von der Vergangenheit, von sinnlichem Verlangen, vom Eros. "Mal war ich die Brave, mal war ich der Vamp", heißt es viele Jahre später in einem ihrer Chansons. Wann immer sie beides in einem war, machte Hildegard Knef den stärksten Eindruck.

  Schon der Film, mit dem sie berühmt wird, "Die Mörder sind unter uns" (Regie: Wolfgang Staudte, 1946), zeigt Hildegard Knef am falschen Platz. Die junge Frau, die sie spielt, kommt aus dem Konzentrationslager zurück nach Berlin, doch in der halb zerbombten Bruchbude, die einmal ihre Wohnung war, hat mittlerweile ein deutscher Kriegsheimkehrer sein Quartier aufgeschlagen.


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