"Mies ist unser Gewissen"

Kultur | JAN TABOR | aus FALTER 06/02 vom 06.02.2002

STADTESSAY. Der erstmals verliehene Mies van der Rohe Pavillon Preis belohnt die schönsten Bauten Europas mit der scheußlichsten Trophäe der Welt. 

Der Architekturkritiker Harry Weese schrieb 1966: "Mies ist weiterhin unser Gewissen. Aber wer hört heutzutage schon auf sein Gewissen?" Den folgenden Satz schreibe ich ungern, aber im Sinne von Weese müsste man sagen: Wäre Mies van der Rohe mit dem Mies van der Rohe Pavillon Preis ausgezeichnet worden, dann hätte er nicht gewusst, ob er sich über diese Ehrung freuen oder ärgern soll.

  Eine so scheußliche und zugleich skurrile Auszeichnung wie diese habe ich schon lange nicht gesehen. Das Ehrending sieht aus wie ein Kruckenkreuz in Eisen aus der Dollfuß-Zeit. Das Kunstwerk besteht aus einem Traverse-Stück, an dessen Schaft vier Winkeleisen seitlich angeschweißt sind. Diese "Mies-van-der-Rohe-Pavillon-Skulptur", entworfen von Xavier Corberó, ist befestigt auf dem Deckel einer Schatulle aus einem Edelholz - vermutlich Makassar-Ebenholz,


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