AUFGEBLÄTTERT

Kultur | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 06/02 vom 06.02.2002

Daheim ist, wo man mein Herz isst", schrieb der Lyriker Gerald Fiebig 1996. Es scheint, als habe sein im depressiven Gestus erkaltetes lyrisches Ich seither jeden Rest an Illusion verloren. Nicht einmal mehr ein kannibalisches Gegenüber ist da, das die Einsamkeit in den "wohnlandschaften" von Fiebigs neuem Band "Erinnerungen an die 90er Jahre" durchbrechen könnte. "Daheim ist" diesmal, "wo mein herz- / anfall ist" und "der sommerhimmel", der ist nun "endgültig verschimmelt". Das Individuum, so die Meinung mancher Soziologen, sei in den letzten Jahren zum störenden Faktor in der Ökonomie, zur Rentenkassenbelastung, zum genetischen Material verkommen. Mit der "globalisierung im augapfel" setzt Fiebig den Leser einer Sprache und Bildwelt aus, die mitten im Windkanal der neuen menschlichen Eiszeit platziert ist. Getrunken wird "fleischermeister / mit der kraft der zwei herzen" - "& nebenan ficken / zwei tonspuren". Sensible Geister seien gewarnt: Solche Texte ziehen dorthin hinunter, wo


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