Stadtrand: Schlechte Kleidung

Stadtleben | aus FALTER 06/02 vom 06.02.2002

Leute, in deren Redewendungsgebrauch Sätze wie "Lacoste es, was es wolle" oder "Herein, wenns kein Schneider ist" vorkommt, gehen auch nicht aufs Klo, sondern "dorthin, wo auch der Papst zu Fuß hingeht". Und genau solche Leute sagen jetzt wieder Dinge wie "Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung". Meistens sagen sie so etwas, wenn man entweder völlig durchgefroren oder völlig nassgeschwitzt vor ihnen steht und sich über das Wetter beschwert. Und ein blöder Spruch gerade noch gefehlt hat. Jetzt beginnt nämlich wieder die Phase der falschen Kleidung zum falschen Zeitpunkt. Morgens ist es noch immer viel zu kalt für die dünne Jacke, mittags schwitzt man dann trotzdem wie blöd, und die Sonnenbrille ist überhaupt unauffindbar. Am nächsten Tag verlässt man das Haus klüger, also doch noch einmal in der extra warmen Winterjacke, mit Schal, Haube und Handschuhen und darf das warme Zeug dann die meiste Zeit unterm Arm herumschleppen. Schlechte Kleidung zum guten Wetter rechtfertigt aber trotzdem noch keinen dummen Spruch. Ein kleiner Kleidertrost ist, dass diese Phase der schlechten Kleidung nach wenigen Wochen wieder vorbei ist und dann die gute Kleidung zum guten Wetter passt: "Nicht immer, aber immer öfter." C. W.


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