Stadt mit Rabatt

JULIA ORTNER | Stadtleben | aus FALTER 06/02 vom 06.02.2002

BAUBOOM. Investoren mit dicker Brieftasche. Politiker, die vorliegende Pläne den Wünschen des Finanziers anpassen. Keine klaren Regeln: Wien stampft neue Stadtteile aus dem Boden, lässt Hochhäuser errichten und weiß dabei noch nicht genau, wie es im Gegenzug die Baulöwen fürs Gemeinwohl zur Kasse bitten kann. 

Er ist 202 Meter hoch. Der höchste unter den mittelmäßigen Himmelstürmern der Stadt. Hundertausende Kubikmeter Stahl und Glas ragen in den Himmel über der Brigittenau. Gläsern elegant, irgendwie exotisch mitten im roten Arbeiterbezirk. Ganz oben, dort, wo man über die Stadt bis zum Stephansdom schauen kann, liegen die Gemächer, die nur wenige Besucher des Millennium Towers überhaupt zu Gesicht bekommen. Dort, zwischen 46. und 50. Stockwerk, hat sich Turm-Erbauer und Eigentümer Georg Stumpf Räumlichkeiten für den Privatgebrauch aufgehoben. Für Firmenpräsentationen, Partys, ausländische Gäste. 500 Quadratmeter voller Marmor, bis zum Boden verglast, spärlich

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