STANDPUNKT: Alleanza Scandale

Politik | aus FALTER 07/02 vom 13.02.2002

Da applaudierte das Publikum, die Delegierten jubelten: als der Kärntner FPÖ-Obmann Martin Strutz am Wochenende im mittelitalienischen Montesilvano dem zurückgetretenen Parteichef Pino Rauti Glückwünsche von Jörg Haider übermittelte und in dessen Namen "die besten Wünsche für eine konstruktive Arbeit" ausrichten ließ. Außenpolitik à la FPÖ? Zur Erinnerung: Rauti, Postfaschist, trennte sich 1995 von Gianfranco Finis rechter Alleanza Nazionale. Nicht, weil er gerne Parteiführer geworden wäre oder mit dem Eintritt der Partei ins Kabinett I von Silvio Berlusconis Forza Italia nicht einverstanden gewesen wäre. Nein, Fini hatte sein Schwarzhemd ausgezogen und mit einer Entschuldigung versucht, es gegen eine weiße Weste zu tauschen: Fini ging auf Distanz zur faschistischen Vergangenheit der Alleanza Nazionale. So kam es zum Bruch mit Rauti: "Ich bin alt und gehöre der Vergangenheit an", murrte dieser damals in die Mikrofone. Rautis Altfaschisten schwärmen bis heute öffentlich von ihrem "Duce". Und dreschen ausländerfeindliche Parolen. In der EU will niemand mit den italienischen Schmuddelkindern anstreifen. Als über Österreich die EU-Sanktionen verhängt wurden, wollte Rauti übrigens Pro-Haider-Postkarten drucken lassen. Eine schöne Freunderlwirtschaft. Eine richtige Alleanza Scandale. N. W.


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