Die Kellerkinder

Politik | JULIA ORTNER | aus FALTER 07/02 vom 13.02.2002

ASYL. Wiens Flüchtlingsheime sind zum Bersten voll. Einige Asylsuchende müssen jetzt schon im Keller wohnen: ohne Fenster, ohne Frischluft, ohne Tageslicht. Warum eigentlich? 

Zwei enge Räume, vollgepfercht mit je vier Stockbetten. Fenster, Frischluft und Tageslicht gibt es in dem alten Gewölbe nicht. Nur Neonröhren, stickige Luft und eine voll aufgedrehte Heizung - damit die Mauern halbwegs trocken bleiben. Früher war hier, im Keller des Caritas-Flüchtlingsheims in der Robert Hammerling-Gasse, 15. Bezirk, eine Tiermittelfabrik untergebracht. Heute sind es Menschen. Zamen Ali Faghirszede sitzt auf einer Schaumgummimatratze, um ihn herum seine Frau und die fünf Kinder. Das kleinste Kind, Yasim, läuft barfuß auf dem kalten Linoleumboden herum. Zwischen Rucksäcken, ein paar Plüschtieren und zwei Plastiktellern mit Kaiserschmarrn, dem Abendessen der Familie. Die Flüchtlinge aus Afghanistan warten im Keller auf ihren Termin beim Unabhängigen Bundesasylsenat - ihr Asylverfahren


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