KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 07/02 vom 13.02.2002

Wer die aktuelle Ausstellung in der Galerie Wintergarten (bis 23.2.) besucht, wird vor allem auf die architektonischen Besonderheiten des Kunstraumes aufmerksam: Die monochromen, in Erdfarben gehaltenen Leinwandarbeiten des afroamerikanischen Künstlers Odili Donald Odita korrespondieren in Form und Positionierung mit den Gewölben und Rundbögen der alten Räume. Die Streifen eines an Frank Stella erinnernden Wandgemäldes schließlich vereinigen die Farben der über die Galerie verteilten Bilder in einem einzigen Gemälde. Der in Nigeria geborene Künstler bemüht sich weniger um ein Revival des abstrakten Expressionismus als um eine Synthese unterschiedlicher Kulturbegriffe: "Ich will sozusagen modernistische Strömungen verbessern oder ergänzen und Fragen an westliche kulturelle Traditionen stellen. Mein Vater war Professor für Kunstgeschichte und spezialisiert auf afrikanische Kunst. Ich bin mit diesen Objekten aufgewachsen, und sie sind aus meiner Arbeit nicht wegzudenken." Bei einer anderen Ausstellung hat Odita noch pointierter gearbeitet: Dort stellt er seinen Wand- und Leinwandarbeiten fotografierte Stereotypen des "Afrikaners" gegenüber.

  Die engagierte Zeitschrift für Stadtforschung dérive widmet sich nicht nur klassischen Topoi der Urbanistik, sondern auch Themenfeldern wie Sicherheitsdiskursen oder Integrationspolitik. Die letzte Ausgabe ist Formen von "kulturalisierter Ökonomie" auf der Spur: Was sind eigentlich die viel beschworenen "Creative Industries"? Wie funktioniert Gentrification europaweit? Sind die Privatisierung und Kommerzialisierung von Museumsräumen mit deren Funktion als Orten der Öffentlichkeit kompatibel? Viele Fragen, viele spannende Debatten. Zu bestellen unter www.derive.at (F 4,-/öS 55,-).


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