STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 07/02 vom 13.02.2002

Die Komödien der Brüder Bobby und Peter Farrelly zählen mit Sicherheit zu den merkwürdigsten Hervorbringungen des amerikanischen Studiokinos. Im Lauf der letzten Filme ("There's Something about Mary", "Me, Myself & Irene") wurde neben ihrer Vorliebe für skatologische Scherze und peinliche, sozial wenig kompetente Protagonisten auch ein höchst romantischer Zug sichtbar. In der merkwürdigen Welt der Farrellys glauben die Menschen, gerade die sozial und ästhetisch weniger bevorzugten, an die Liebe. Und sie behalten damit auf eine verquere Weise recht.

  "Shallow Hal" ("Schwer verliebt") erzählt von der wundersamen Läuterung des Möchtegern-Aufreißers Hal (der energetische Jack Black), dessen haarsträubend oberflächliche Maßstäbe ans weibliche Geschlecht von einem Fernsehguru in ihr Gegenteil verkehrt werden: Von einem Moment auf den anderen lernt er die "innere Schönheit" der Frauen sehen. Sehr zum Schrecken seines chauvinistischen Freunds Mauricio ("Seinfeld"-Star Jason Alexander mit einem entsetzlichen Toupet) hat er infolge dieser Behandlung enormen Erfolg bei Frauen, die ihm als Grazien, seiner Umwelt aber als "hässliche Weiber" erscheinen. So auch seine große Liebe Rosemary: Während Hal eine merkwürdig unsichere, schlanke Gwyneth Paltrow (!) sieht, sehen wir einen Koloss von 150 Kilo.

  Kann man einen unpeinlichen Film über etwas Peinliches wie das Balzverhalten unattraktiver Menschen machen? Die Farrellys sagen Nein. Deshalb ist "Shallow Hal" auch durchgehend ein peinlicher Film - der hartnäckig auf der Seite seiner "Verlierer" steht, ohne all die Grausamkeiten zu negieren, denen diese fortwährend ausgesetzt sind. Das haut oft nicht hin, beweist aber eine Haltung, die weniger absurde Filme gern heuchlerisch als "mutig" bezeichnen. Was aber in jedem Fall peinlicher ist, als an die Liebe zu glauben, ohne die Augen zu schließen.


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