NÜCHTERN BETRACHTET: Seid jetzt bitte alle einmal peinlich!

Kultur | aus FALTER 07/02 vom 13.02.2002

Als ich unlängst durch die Schallergasse ging und mit meiner Tochter DJ Ötzis "Häääiiih bäääiiibiiieh" grölte, befand die Frau an unserer Seite, dass das jetzt "to-tal peinlich" sei. Stimmt. Es muss aber sein. Zudem: Man kann gegen DJ Ötzi sagen, was man will, aber er ist gewiss der richtige Mann für den Opernball. Er ist sozusagen mein Mann auf dem Opernball. Irgendwer muss schließlich auch dort für jene Peinlichkeit sorgen, die all den anderen mehr oder weniger peinlichen Existenzen peinlich ist, die sich dort treffen, ohne dass ihnen das peinlich wäre. Ich weiß auch nicht, wie die Peinlichkeit zu einem derartig schlechten Image gelangt ist. Solange jemand bloß peinlich ist, hat der Rest der Menschheit nicht viel zu fürchten. Ich kann mir zum Beispiel nicht vorstellen, dass Mütter, deren terroristische Söhne Dutzende von Menschen auf dem Gewissen haben, sich zu der Aussage hinreißen lassen, ihnen sei das "voll peinlich". Und würde jemand Hitler als den "peinlichsten


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