"4.48 PSYCHOSE" IM KASINO

Sarah hinter den Spiegeln

Kultur | aus FALTER 08/02 vom 20.02.2002

Wer Sarah Kanes letztes Stück inszeniert, muss zuerst eine grundsätzliche Frage klären: Wer spricht? Es gibt in dem Text weder Szenenanweisungen noch Rollenbezeichnungen; das Drama wäre als Monolog ebenso vorstellbar wie als Zweipersonenstück oder als vielstimmiges Chorwerk. James Macdonald, der schon bei der Uraufführung Regie führte, hat sich dafür entschieden, den Text auf zwei Frauen und einen Mann aufzuteilen. Eine einzige Person hätte eine allzu große Fokussierung auf Sarah Kane selbst bedeutet, mit zwei Personen wäre die im Text immer wieder thematisierte Arzt-Patient-Beziehung überbetont worden; drei Darsteller sind also eine intelligente und zugleich etwas pragmatische Lösung - was auch von der ganzen Inszenierung gesagt werden kann.

  Das Schauspielertrio agiert in einem klinisch-spartanischen Bühnenbild von Jeremy Herbert, auf das per Videobeamer die Außenwelt (Fenster zur Straße) projiziert wird. Auf einem großen, gekippten Spiegel über der Bühne kann man

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