STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 08/02 vom 20.02.2002

Eine Tankstelle steht irgendwo im Nirgendwo. Kühle Totalen führen diesen Nicht-Ort ein, begleitet von einer simplen, stolpernden Glockenspielphrase des Soundtracks. Kurz darauf hebt ein fettes, bös-verzerrtes Bassriff an: Der Sound der Sofa Surfers rahmt eine Titelsequenz, die inmitten der Betonwüste einen ebenso prägnanten wie sinnlosen Namen für diese Topographie findet. "NOGO" steht auf einer Containerwand, und so heißt auch der erste Spielfilm des österreichischen Künstlerpaares Hiebler/Ertl. "NOGO" handelt von Paaren und jener eigenartigen Dynamik, die sich aus dem Zusammensein zweier Menschen ergeben kann, auf die Außenstehende bloß noch mit Verwunderung reagieren können. Das erste Paar, Joe und Maria (Oliver Korritke und Meret Becker), findet sein Glück in der totalen Isolation: Die beiden verschanzen sich in ihrer Tankstelle und sperren die Welt aus.

  Was bleibt, sind Überwachungskamera und ein gelegentlicher Blick durch die Jalousien. All das kann allerdings nicht verhindern, dass zwei weitere, nicht minder schrullige Paare (gespielt von Jürgen Vogel, Jasmin Tabatabai, Mavi Hörbiger und Michael Ostrowski) die Ruhe von Joe und Maria stören.

  Leider weicht das menschenleere Vergnügen, das Bild und Ton im Vorspann versprechen, im Lauf des Films einer umso belebteren Geschwätzigkeit: Der Ansatz, Paare weniger psychologisch als vielmehr als Variablen einer eskalierenden Funktionsanordnung zu begreifen, stößt recht bald an seine Grenzen. Diese manifestieren sich einmal mehr in gestelzten, künstlichen Dialogen und skurrilen Scherzen. Aber vielleicht scheitert das Ganze ja auch bloß daran, dass diese Situationen nicht artifiziell genug sind, die Pointen nicht noch stärker unterspielt werden.


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