KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 08/02 vom 20.02.2002

Bei der Recherche im Internet stößt man häufig auf Seiten, die sich der Ahnenforschung widmen. Durch die Vernetzung von Archiven wird es immer leichter, seine Urururgroßeltern zu lokalisieren, und offenbar erfüllt die Komplettierung des eigenen Stammbaums viele mit Genugtuung. Auch die ungarische Künstlerin Szilvia Reischl begab sich auf die Suche nach ihren Ahnen: In der Galerie Knoll (bis 30.3.) hängt eine lange, naturwissenschaftlich anmutende Tabelle, die ihre 125 Vorgängergenerationen samt mathematischer Kalkulationen auflistet. Jegliche Sentimentalität und Anschmiegung an die eigene Sippe wird durch die Darstellung ausgespart. Auch in den Diagrammen "Wie viele Leute treffe ich in meinem Leben?" führt die Künstlerin die statistische Erhebung von Beziehungen ad absurdum. Ironisch vereinfachte Darstellungen eines überdeterminierten Geschehens liefern auch die aus Novi Sad stammenden Künstlerinnen Katarina Sevic und Zita Majoros alias PP Group: Die Piktogramme ihres "Art User's Manual" illustrieren einen möglichen Umgang mit Kunst. Man sollte die Bilderchen für "Fun-SMS" adaptieren, dann könnte man seine Freunde umgehend informieren, ob der Vernissagenbesuch lohnt.

  Im offspace setzt es gleich mal ein "Smiley" mit herabhängenden Mundwinkeln. Im Raum steht eine afrikanisch anmutende Hütte aus Karton; wer hineinkriecht, findet nichts als eine weiße Leinwand vor. Mit dieser Installation will der Däne Claus Andersen den modernistischen Export westlicher Kunstvorstellungen kritisieren (bis 23.3.). Platter gehts nicht. Wenn nicht mehr dabei herauskommt, sollte man es vielleicht wirklich beim Studium schlauer Texte bewenden lassen: Bücherliste liegt auf der kommenden documenta auf!

NICOLE SCHEYERER


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