PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Das Fasten der Süchtigen

Stadtleben | aus FALTER 08/02 vom 20.02.2002

... Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija ... Und Petrus sagte ... Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen ...

Mt 17,1-9 (Evangelium am 2. Fastensonntag eines Lesejahres A)

d Da hätte ich nun ein Leben gewonnen in der menschlichen Spezies und verstehe es nicht wahrzunehmen. Dr. Thau, mein Analytiker von vor Jahrzehnten, fragte schon beim dritten Mal Liegen auf seiner Couch, als ich stockte im Satz: "Ich sterbe vor Einsamkeit, weil ..." und eigentlich weiter reden wollte: "... weil es mir nicht gelingt, einen Menschen zu entdecken, der ähnliche Gedanken hat", ergänzte er aber mein Stocken mit "...weil sie mit allen zerstritten sind". Ich bin aber mit niemandem zerstritten, es gelingt mir nur nicht, sie zu fangen, lasse mich aber meinerseits auch nicht einfangen, kann nicht gehorchen.

  Zum Beispiel rief vor einigen Wochen ein Riesenseehotel an, aus dem Salzkammergut. Sie würden ein Wochenendseminar haben für Gemeindeumweltreferenten, und ob ich zum Abschluss dieses Seminars eine Podiumsdiskussion leiten würde, über Umweltschutz in den Gemeinden. Da erschrak meine Seele, und der Herr stellte mich bloß. Und ich bedauerte und sagte, es nicht zu vermögen, denn ich beschäftigte mich nie mit gesunder Natur. Das erzählte ich Frau Daemon, und die konnte es nicht fassen: "Ja, aber sie hätten doch Zeit bis zum Juni, sich des Stoffes zu bemächtigen.."  Jetzt hat die Republik das MuseumsQuartier gebaut und darinnen haufenweise Museen einquartiert. Und darinnen werden von den Nazis enteignete Gemälde gezeigt. Das ist doch ein unglaublich leicht fasslicher Gedanke, aber trotzdem ist der Direktor Rudolf Leopold imstande, Tag für Tag Direktor solcher Gemälde zu sein, und ich bin mir ganz sicher, resolut in der Lage zu sein, dies felsenfest zu begründen. Während ich mir nicht zutraue, eine Podiumsdiskussion über Umweltschutz zu leiten. Thurnher schüttelt pausenlos den Kopf, er versteht mich nicht, ich könnte doch eine der prosperierendsten Persönlichkeiten der Stadt sein. Und ich verstehe nicht, wieso Thurnher meine Not nicht versteht. Sorgenzerfressen den achtzehntausendsten Tag.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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