DIE NORDKOREA-CONNECTION: Spione, Banker & Taekwondo

Politik | KLAUS STIMEDER | aus FALTER 09/02 vom 27.02.2002

Um mit dem kommunistischen Regime Nordkoreas in Kontakt zu kommen, müssen Nationalratspräsident Heinz Fischer und seine Delegation nicht nach Pjöngjang. Eine Straßenbahnfahrt nach Wien-Neubau tut es auch. Seit 1982 beherbergt Österreich - als einziges Land Europas - die "Golden Star Bank", eine Tochter der nordkoreanischen Staatsbank, in der Kaiserstraße im 7. Bezirk. Herr Yoon-shik ist Präsident dieses Geldinstitutes. Über ihn ist hierzulande wenig bekannt. Fest steht, dass Yoon-shik Mitglied der Arbeiterpartei, der Staatspartei Nordkoreas, ist. "Österreichische Staatsbürger können bei uns kein Konto eröffnen, wir sind ausschließlich eine Bank für nordkoreanische Kunden", erklärt die kurz angebundene Dame hinterm Schalter. Ausländische Geheimdienste vermuten seit langem, dass die Filiale in Wien-Neubau als Geldwaschmaschine des bankrotten Regimes unter Kim-Jong-Il missbraucht wird - auch wenn ihr dieser Umstand bis dato nicht nachgewiesen werden konnte. Auch das Innenministerium weist im Verfassungsschutzbericht vom Jahr 2000 unmissverständlich auf die Probleme mit den österreichischen Handlangern des Regimes in Pjöngjang hin: "Es sind nach wie vor Bemühungen nordkoreanischer Geheimdienste feststellbar, ihre Mitarbeiter in diplomatischer oder nichtdiplomatischer Funktion auch in Österreich abzudecken. Ebenso könnte die einzige in Europa etablierte Filiale der Staatsbank Nordkoreas in Wien sowie die im Bundesgebiet gegründeten Vereine für asiatische Kampfsportarten als Tarnung für nachrichtendienstliche Aktivitäten genutzt werden."

  Die Bank weist alle Vorwürfe von sich: "Wir sind keine Schurken", sagt eine Angestellte.


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