WAS IST ATTAC? Für Tobin, gegen Finanzspekulation

Politik | aus FALTER 09/02 vom 27.02.2002

Begonnen hat alles mit einem Zeitungsartikel. Ende 1997, am Höhepunkt der Asienkrise, rief Ignacio Ramonet, Herausgeber der Le Monde diplomatique, auf, ein Netzwerk zu gründen, das Druck auf die Regierungen ausüben solle, damit diese eine "internationale Solidaritätssteuer" einführen. Kurz darauf wurde Attac (Association pour une Taxation des Transactions financières pour l'Aide aux Citoyens), auf Deutsch "Vereinigung für eine Besteuerung von Finanztransaktionen zum Wohle der Bürger", in Paris gegründet.

  Die zentrale Forderung ist die Einführung der nach dem Wirtschaftsnobelpreisträger James Tobin benannten "Tobin-Steuer". Diese kleine Steuer (0,1 bis ein Prozent) auf Finanztransaktionen soll spekulative Kapitalflüsse reduzieren und Geld für eine globale Armutsbekämpfung bereitstellen. Außerdem fordert Attac die Abschaffung von Steueroasen, die Entschuldung von Entwicklungsländern und eine nachhaltige Demokratisierung von Institutionen wie IWF und Weltbank.

  Die Bemühungen von Attac stoßen auch auf Kritik: Wirtschaftsvertreter meinen, die Tobin-Steuer würde zu einer Flucht von Devisenspekulanten in steuerfreie Regionen führen. Außerdem könnten massive Devisenschwankungen nicht verhindert werden. Wenn Anleger das Vertrauen in eine Währung verlieren, würden sie sich auch nicht durch eine niedrige Steuer vom Rückzug abhalten lassen.

  Für andere gehen die Forderungen von Attac nicht weit genug. Vor allem linke Gruppen kritisieren, dass sich die Forderungen der NGO auf die Kontrolle der Finanzmärkte beschränken und nur eine Reform der Märkte zum Ziel haben, anstatt grundsätzlich Kritik am kapitalistischen System zu üben.

Informationen: attac-austria.org


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