SPIELPLAN

Kultur | HELMUT PLOEBST | aus FALTER 09/02 vom 27.02.2002

Der tischtennistischgrüne Boden der vor kurzem von vier Wiener Tanzcompanies für ihre Zwecke akquirierten Halle 1030 in der Landstraßer Hyegasse ist mit bunten Linien geometrisiert. Alles sieht sehr sportlich aus. Der Choreograph Sebastian Prantl zeigt eine Arbeit namens "raster" mit dem Untertitel "solo, duo, trio"; am zweiten Tag verirren sich etwa 20 Besucher auf die Tribüne. Das Projekt wird im Künstlerhaustheater beziehungsweise in einer Glasinstallation von Valie Export unter einem Stadtbahnbogen fortgesetzt. Wie stets präsentiert Prantl auch diesmal den Status quo seiner zähen, prozessorientierten Arbeit, diesmal im reduziert, aber gelungen beleuchteten Ambiente der Halle. Der Stand der Dinge: Fünf Tänzerinnen und Tänzer strukturieren - aber das tut Tanz ja immer - Bewegungen in Raum und Zeit.

  Diese Selbstverständlichkeit verklumpt bei Prantl zum Konzept. Die Akteure turnen tanzend, laufend, brabbelnd, zuweilen auch schreiend zu Klaviermusik und solcher aus der Konserve. Die potemkinsche Bewegungssprache Prantls besteht aus Zitaten moderner und postmoderner Elemente und verweist auf eine Kunst-Welt von gestern. Es wird viel improvisiert, gestikuliert und ein wenig grimassiert. Der Choreograph macht mit, erhebt sich selbst zum Protagonisten des Geschehens und spielt so seine Tänzer an den Rand. Diese wirken in dem mit 1000 Quadratmetern überdimensionierten Performance-Raum sehr verloren, verlieren sich allerdings noch mehr in einer heillosen Unentschiedenheit zwischen echauffiertem Pathos und kokettem Verspieltsein. Prantl ringt sichtlich um eine künstlerische Vision. Dabei driftet er, wie schon seit jeher, ab in die Prätention. Dort rastet er ein - in sicherer Entfernung zu aller Kunst, die etwas Spannendes zu sagen hat.


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