Von Menschen und Krähen

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 09/02 vom 27.02.2002

LITERATUR. Philip Roths grandioser Roman "Der menschliche Makel" ist ein wüstes Hohelied auf das Mängelwesen Mensch. 

Es mag heute zwar wie ein tief versunkenes Zeitalter anmuten, ist in Wirklichkeit aber noch gar nicht lange her, da befasste sich die großartigste Nation der Welt nicht mit der Achse des Bösen, sondern mit Präsidentensperma. Und zumindest am Athena-College in Massachusetts geriet man in helle Aufregung über das Fehlverhalten eines 71-jährigen Professors für Altphilologie, der ein Verhältnis mit einer 34-jährigen Putzfrau hatte. Grimmig merkt der als dirty old man entlarvte Coleman Silk an: "Das ist, im Jahr 1998, ihre Folter, ihre Qual, ihr spiritueller Tod. Die Quelle ihrer größten moralischen Verzweiflung: dass Faunia mir einen bläst und dass ich Faunia ficke."

  Philip Roths jüngster Roman "Der menschliche Makel" beginnt als eine Art College-Melodram. Zuvor schon war Silk als Rassist gebrandmarkt worden, weil er zwei notorisch abwesende Studenten als "dunkle


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