In Nitro Veritas

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 09/02 vom 27.02.2002

FILM. Was macht das ganz alte Kino so attraktiv für das ganz neue? Gleich zwei Filmreihen beschäftigen sich mit einem spannenden Naheverhältnis. 

Um 1909 entbrannte unter Medizinern eine heftige Debatte über eine noch junge Attraktion: Besucher von Filmvorstellungen klagten über Kopfschmerz, Akkommodationsschwächen und übermäßigen Tränenfluss. Die Diskussion, ob "der Kino" nun eine Gefahr für die Sehtüchtigkeit oder vielmehr eine Art "Augenschule" der jungen Moderne darstellt, mag vom heutigen Standpunkt aus gesehen eine skurrile Anekdote der Mediengeschichte sein; dennoch ist sie symptomatisch für jenen Eindruck, den die Kinematographie seit ihrer ersten öffentlichen Präsentation im Jahr 1896 hinterlassen hat. Von der Rückenmarkserweichung bei viktorianischen Eisenbahnreisenden über das Schleudertrauma der Automobilära bis zu jenem angeblichen Schwindel, der frühe Kinobesucher angesichts der heranstürmenden Lichtbilder befiel, ist die Moderne auch eine Geschichte ihrer


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