Stadtrand: Rebellen im Nahverkehr

Stadtleben | aus FALTER 09/02 vom 27.02.2002

Seine Tarnung war perfekt. Oberlippenbart buschig, Arbeitskittel blau, der Slang angesiedelt irgendwo zwischen Rudolfsheim und Fünfhaus. Wären nicht die Umstände gewesen, er wäre einer aus der Masse der Buschauffeure mit dem Ich-knall-einer-Einbeinigen-mit-Kinderwagen-die-Tür-zu-Blick gewesen, ein Lee van Clef des öffentlichen Nahverkehrs. Und doch hatte er einfach auf halbem Weg zwischen zwei Stationen gehalten, mitten auf der Straße die Tür geöffnet und uns, die wir hoffnungslos seinem Bus nachrannten, mit den Worten eingeladen: "Des schaffts nie bis zur nächsten Station. Und I bin der Letzte heut Nacht!" Ein echter Rebell. Wie bitte? Sie würden gerne die Buslinie wissen? Datum, Uhrzeit? Namen vielleicht gar? Natürlich, und dann sofort drei Wochen Fahrentzug für unseren Helden, Schmähung durch die Kollegen, Nachschulung im Türenknallen. Niemals! Wir wissen sie zu schützen, unsere Kämpfer gegen das Korsett der Dienstvorschrift, unsere Untergrundarmee des Fahrplanes, die Subcommandantes des Wiener Straßennetzes. Wir wissen, ihr seid da draußen, bereit, einen aussichtslosen Kampf für eine gerechte Sache zu führen. Wir sind mit euch, ihr anonymen Helden. Viva la revolución!

P. V.


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