Markthallenblues

Stadtleben | KLAUS STIMEDER | aus FALTER 09/02 vom 27.02.2002

NAHVERSORGUNG. Die Detailmarkthalle Nussdorfer Straße wechselt den Besitzer - und den Charakter: Supermarkt statt Standlkultur. 

Wenn gar nichts mehr geht, hängs einfach Brüssel an: "Dies verdankt ihr der EU! Arschlöcher!", steht in hektisch hingekritzeltem Kugelschreiberblau auf einem Plakat im Foyer der Markthalle Nussdorfer Straße im neunten Bezirk. Das Poster, das in Schlagworten die Vorzüge des Marktlebens ("Qualität, Kundenfreundlichkeit, Tradition") anpreist, hängt dort seit Dezember letzten Jahres und sollte ein sichtbarer Protest gegen das baldige Ende eines der letzten historischen Märkte Wiens sein. Bis auf die Botschaft des anonymen Autors aber blieb der erhoffte Mobilisierungseffekt aus.

  Maria Hrasdil ist eine der wenigen, die ihren Stand, an dem sie täglich Käsespezialitäten und exotische Früchte verkauft, noch offen hält. "Der Markt ist nicht mehr das, was er mal war, und er wird es auch nie mehr sein", klagt die zierliche Geschäftsfrau, die seit beinahe


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