STANDPUNKT: Lainz und Omofuma

Politik | aus FALTER 10/02 vom 06.03.2002

Mit dreijähriger Verspätung hat am Montag der Omofuma-Prozess begonnen. Auf der Beschuldigtenbank haben drei Beamte Platz genommen, die nicht gerade die intelligentesten Cops sein dürften. Jahrelang hatten sie "Schüblinge" zugeklebt abgeschoben. Ohne Druck, aber mit Wissen "von oben" wurden Häftlinge verschnürt und mit Klebebändern versehen. Hauptsache, der "Schub" glückte. Jeder bei der Fremdenpolizei, so sagten die Beamten vor Gericht aus, habe von den Klebebändern gewusst. Sogar ein Foto eines verklebten Häftlings war im Wachzimmer der Fremdenbehörde als Poster aufgehängt. Vieles im Omofuma-Prozess erinnert an den Lainz-Skandal, wo völlig überforderte Menschen (damals Krankenschwestern) durch ihre extremen Aufgaben verrückt wurden und letztlich Menschen töteten. Bei der Fremdenpolizei wurden schlecht ausgebildete Beamte mit Tätigkeiten betraut, denen sie nicht gewachsen waren. Es gab keinerlei Ausbildung, keinerlei Kontrolle. Kein Wunder, dass da das Weltbild verrutscht. Das Abschieben eines Menschen wurde wichtiger als seine Qualen und sein möglicher Tod. "Ich hätte doch gemerkt, wenn er gestorben wäre, so viel Erfahrung habe ich", sagte jener Beamter, der neben Omofuma saß, aus. Besser hätte er seinen Realitätsverlust nicht mehr illustrieren können. F. K.


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