Angst vorm Sterben

Kultur | PETRA RATHMANNER | aus FALTER 10/02 vom 06.03.2002

THEATER. Raoul Schrott hat das Gilgameschepos neu übersetzt und reanimiert. Was als Text funktioniert, stößt auf der Bühne des Akademietheaters allerdings auf erhebliche Schwierigkeiten. 

Gibt es Langweiligeres als die Ilias?", fragte Paul Valéry einmal André Gide. Dieser antwortete: "Ja, das Rolandslied!" Insgeheim erwartet man sich auch vom Gilgameschepos nicht viel mehr: ein paar großspurige Helden, verschwurbelte Sprache und ein gerüttelt Maß an Fadesse. Zugeben würde man das natürlich nie: Immerhin ist das Gilgameschepos das älteste Stück Literatur, es hat Homer beeinflusst, Odysseus wäre ohne es nicht zu denken, und sogar die Autoren der Bibel haben daraus das Motiv der Sintflut geklaut. Dem Namen nach kennt das Gilgameschepos bald wer, tatsächlich gelesen haben es die Wenigsten. Das Monumentalwerk vom babylonischen Herrscher der Stadt Uruk, der Dämonen im Kampf bezwingt und nichts Geringeres als seine Unsterblichkeit fordert, ist über die Jahrtausende zu einer Fußnote


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