AUFGEBLÄTTERT

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 10/02 vom 06.03.2002

Die französische Literaturszene kam in den vergangenen Jahren nicht zur Ruhe: Ein "Aufreger" jagte den anderen. Zwischen den ersten Büchern von Michel Houellebecq (Thema: zu wenig Sex) und Catherine Millet (Thema: sehr viel Sex) erregte 1999 ein Werk mit dem lapidaren Titel "Inzest" die Gemüter. Der siebente Roman der 1959 geborenen Christine Angot war ihr erster Bestseller: Sex sells, "verbotener" Sex erst recht. Über weite Strecken ist das Buch allerdings der innere Monolog einer Frau, die eine für alle Beteiligten - auch den Leser - anstrengende Liebesbeziehung mit einer Ärztin durchleidet. Um ihre neurotischen Zustände zu erklären, berichtet Angot (die sich nicht hinter einer Erzählfigur verbirgt) schließlich davon, dass sie vom 14. bis zum 16. Lebensjahr ein sexuelles Verhältnis mit ihrem Vater hatte. Das Buch liest sich einerseits schmerzhaft selbsttherapeutisch, andererseits macht Angot immer wieder auch den literarischen Vorgang zum Thema - Selbstkritik inklusive: "Ich


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige