Stadtrand: Streuverlust

Stadtleben | aus FALTER 10/02 vom 06.03.2002

Ausgeher, die nicht wussten, wo sie die nächste Samstagnacht verbringen sollen, mussten früher ganz schön daran arbeiten, sich Infos über Clubs und Partys zu beschaffen. Flyer waren rar, und wenn in den so genannten Szenelokalen die so genannten Flyerverteiler gezielt ihre Zettelchen auf die Tische legten (oder noch gezielter: ausgewählten potenziellen Besuchern in die Hand drückten), verstummten die Gespräche. Heute sind Flyer nicht mehr kleine Zettelchen, sondern haben meist Posterformat. Und um an die Info zu kommen, braucht es keine verschwörerischen Blicke. Denn wer sich in frequentiertere Einkaufsgegenden begibt, wird jetzt ungefragt und unbesehen mit der Flyerinfo zwangsbeglückt. Den Veranstaltern scheint es gar nicht darum zu gehen, ihr Publikum gezielt anzusprechen. Unabhängig von Alter und Zielgruppenzugehörigkeit wird eingeladen auf Teufel komm raus: Omas stopfen die Info in die Handtasche, dass ein ganz famoser DJ in die Stadt kommt. Pubertierende Buffaloschuhbesitzer müssen unbedingt zum edlen After-Work-Club und Lodenmantelträger auf die Love Parade. Die wenigsten zeigen Interesse. Dementsprechend ist die Straße übersät mit weggeworfenen Flugzetteln: Flyerlaub, an der Zielgruppe vorbeiverteilt. Streuverlust nennen das Marketingmenschen. Vergnügungsstreuer hießen demnach die Zettelverteiler. C. W.


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