Umfrage: Behinderung im Journalismus

Medien | JOSEF BARTH | aus FALTER 11/02 vom 13.03.2002

Man darf nicht so tun, als ob Behinderte ganz einfach Journalisten werden könnten", sagt Meinrad Rahofer, Geschäftsführer des Kuratoriums für Journalistenausbildung. "Der Einstieg ist für jeden schwierig. Ich bin aber erstaunt, wie gut die Lehrgangsteilnehmer arbeiten. Und der Journalismus ist vielfältig, ich sehe da durchaus Möglichkeiten." APA-Chefredakteur Wolfgang Mayr attestiert Österreich ein ungeheures Defizit im Umgang mit Behinderten - vor allem im Vergleich zu den USA: "Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es machbar ist. Wir versuchen jedenfalls dazu beizutragen und Praktikumsplätze bereitzustellen." "Bei entsprechender Qualifikation ist es egal, ob jemand behindert ist", meint Brigitte Wolf, ORF-Landesdirektorin Wien und ehemalige Leiterin der Berufsaus- und Fortbildung im ORF. Es gäbe schließlich auch journalistisches Arbeiten, bei dem beispielsweise Sehen keine zwingende Voraussetzung sei. Was die Behinderung vor der Kamera betrifft, sagt Wolf: "Bei uns werden Sie niemanden finden, der sagt: Um Gottes willen! Jemand, der im Rollstuhl sitzt, darf doch nicht vor die Kamera.'" Auch Andy Kaltenbrunner, ehemaliger profil-Redakteur und Leiter des Redaktionslehrgangs Magazinjournalismus, ist überzeugt, dass hier die doppelte Überzeugungsarbeit bei Medienschaffenden nötig sei. Einerseits in Bezug auf die Handicaps, andererseits, weil noch immer viele der Überzeugung seien, Journalismus ließe sich ausschließlich im training on the job erlernen. "Es darf aber kein reservater Journalismus entstehen", so Kaltenbrunner. "Behinderte dürften nicht nur im Behindertenressort eingesetzt werden, sondern auch im ganz normalen Journalismus - das würde auch den Redaktionen gut tun."


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