STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 11/02 vom 13.03.2002

Habts wieder Vollgas geben?", fragt der Schwager am Frühstückstisch. "Worauf du wetten kannst", antwortet Evi, die ihre Tochter für die Schule zusammenpackt. "So is' recht. Immer voll am Limit." Der Film ist noch keine fünf Minuten alt, schon wissen wir - Dirndl, das geht nicht gut aus!

  Evi arbeitet in der Tourismusbranche. Sie kellnert in einer namenlosen (österreichischen) Wintersportregion. Nicht selten übernimmt sie die Nachtschicht in der Diskothek "Abfahrt", und nicht selten landet sie nach der Sperrstunde sturzbetrunken mit irgendwelchen Jungs im Bett: Eine Zeit lang gehts gut, macht sogar Spaß, und scheint ein Teil des Geschäftsverkehrs zu sein. "Vollgas", das jüngst beim Filmfestival in Saarbrücken ausgezeichnete Spielfilmdebüt von Sabine Derflinger, setzt das nächtliche Treiben als Routine des Exzesses in Szene, soll heißen: Von ein paar sehr verzichtbaren "Wischeffekten" abgesehen, mit jener Genauigkeit, die man von der versierten Dokumentaristin und ihrem Kameramann Bernhard Pötscher - mit dem sie schon bei "Achtung Staatsgrenzeì" (1996) und "The Rounder Girls" (1999) zusammengearbeitet hat - erwarten durfte.

  Dann geht die Geschichte, unausweichlich wie bei Haneke, ihren Gang: Evi vernachlässigt ihr Kind, verfällt mehr und mehr dem Alkohol, wird beinah vergewaltigt, von ihrem Chef mit Kündigung bedroht usw. (bis zum tragischen Finale). Henriette Heinze, die Hauptdarstellerin, macht ihre Sache gut, ebenso Sibylle Gogg und Carmen Gratl, die beiden Arbeitskolleginnen, die sich wie Evi durchs Leben raufen; Simon Schwarz muss man mögen, detto Gregor Bloéb. "Vollgas" anzuschauen, lohnt sich trotzdem: Auf luftige Höhen, einladende Skihänge und grandiose Bergpanoramen wartet man in diesem Film nämlich gern vergebens.


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